Zweites Testessen

Oh, Mann, wer soll das alles essen? Die KöchInnen des „Juwelier des Ostens“ und Chefkoch Lutz Bornhöft hatten die zwei Wochen seit dem letzten Testessen genutzt, um die Speisekarte mit einigen Gerichte zu erweitern, Rezepturen zu verfeinern und die Portionierung der einzelnen Gerichte so zu verändern, dass man als Gast nicht bereits nach der Hälfte der kulinarischen Rundreise vor der Fülle der aufgetischten kulinarischen Köstlichkeiten kapitulierte.

Als sich nun große und kleine Testesser erneut im „Juwelier“-Restaurant an der Weidenallee trafen, was das Hallo groß. Viele kannten sich bereits vom ersten Probedurchlauf, und denen, die letztens nicht dabei gewesen waren, gingen die Augen über angesichts der liebevoll angerichteten Tische, die sich unter all den Schüsseln und Tellern mit verführerisch duftenden kulinarischen Köstlichkeiten förmlich bogen.

Keiner, dem bei diesem Anblick das Wasser nicht im Munde zusammenlief. Und während die Juwelier-Crew noch die letzten Speisen anrichtete und die Tische eindeckte, genossen die Gäste draußen, in angeregte Gespräche vertieft, auf der Terrasse bei Wein und Bier ein paar zaghafte Sonnenstrahlen.

Dann bat Lutz Bornhöft zu Tisch und bald füllte lebhaftes Stimmengewirr, Geschirrklappern und Gläserklingen den Gastraum, in dem man dicht an dicht saß, die syrischen, persischen, afghanischen, libanesischen und eritreischen Gerichte probierte und lautstark das eine oder andere Gericht besonders lobte. Aber natürlich wurde nicht nur über die Qualität des Essens sondern auch über die aktuelle politische Lage in den Flüchtlingsländern gesprochen. Denn das war allen klar, dieses Projekt soll Menschen zusammen bringen. Die, die Hilfe benötigen, mit denen, die helfen können. Der tägliche Restaurantbetrieb ist also ein Mittel zum Zweck. Im „Juwelier des Ostens“ geht es also nicht nur darum, sich exotisch bekochen zu lassen, um sich dann zufrieden auf den Heimweg zu machen, mit der beruhigenden Gewissheit, etwas für Flüchtlinge getan zu haben. Es braucht viel mehr. Zum Beispiel bereit zu sein, auch mal die persönliche Comfortzone zu verlassen. Notfalls auch in der Öffentlichkeit Flagge zu zeigen, zu helfen, beizustehen. Fremden Neuhamburgern aus den Flüchtlingsländern genau so wie jenen, die man kennenlernt. Zufällig an der Kaufhauskasse oder eben beim Essen im „Juwelier des Ostens“. Denn die, die bis zum 3. September für ihre Gäste kochen, sind für uns eben keine Flüchtlinge, sondern Näher, Studenten, Ingenieure, Hausfrauen. Hobbyköche. Kollegen.

Ein paar Stunden später waren die Schüsseln und Teller leer, die Bäuche dafür um so voller. Erstaunlich, wie viel man essen konnte. Aber kein Wunder, die KöchInnen und Lutz Bornhöft hatten sich selbst übertroffen, die Generalprobe für die Eröffnung war ein voller Erfolg. Die Verabschiedung fiel herzlich und kurz aus, denn alle waren sich sicher – am 1. August zur Eröffnung des „Juwelier des Ostens“ sehen wir uns wieder.