Erstes Testessen

Klar, Hummus ist ein Kichererbsenpürèe und Tabouleh ein Petersiliensalat, das weiß jeder, der schon mal einen Falaffelladen von innen gesehen hat. Aber Khorescht-e-Gheyme, Mirsa Ghasemi, Kufte, Kuku Sabzi oder Foul? Ahnungsloses Schulterzucken bei den Freunden und Unterstützern des Projektes, die sich an diesem Montagabend im „Juwelier des Ostens“ zu einem Testessen versammelt hatten. Und während die Gäste grüppchenweise eintrudelten und von Filomeno Fusco und Lutz Bornhöft herzlich begrüßt wurden, entpackten Mitarbeiter der „Juwelier“-Restaurantcrew noch schnell Geschirr und deckten Tische ein, während die KöchInnen aus den Flüchtlingsländern mit Hochdruck Gemüse schnippelten, Fleisch brieten und Süßspeisen anrichteten. So vertrieben sich die Gäste bei einem Willkommensdrink die Zeit, bis das Essen serviert wurde, mit Smalltalk über den typischen Hamburger Sommer draußen und den bevorstehenden Urlaub im sonnigen Süden. Ab und zu wanderte dabei ein neugieriger Blick in Richtung Küche, aus der es gar zu verführerisch duftete. Kurz darauf war es mit der hamburgischen Zurückhaltung vorbei und jeder versuchte den Köchen über die Schulter zu schauen und einen Blick in die Kochtöpfe zu erhaschen. Nebenbei wurden neugierig die Packungen fremder Gewürze und das original orientalisches Geschirr in Augenschein genommen.

Dann baten die KöchInnen endlich zu Tisch und für eine Weile wurde es still. Nur das Klirren von Gläsern und Besteck war zu hören und hier und da ein versonnenes Hmmm! Doch schon bald wurde rege darüber gemutmaßt, welche Gewürze sich in welchem Gericht verbergen und während draußen mal wieder ein Regenschauer nieder ging, wurde das Stimmengewirr im Restaurant zunehmend lebhafter. Bald schon saßen KöchInnen und Gäste beisammen. Man redete und trank und wenn jemand nach draußen ging, um eine Verdauungszigarette zu rauchen, drangen für einen Moment lautes Lachen und Lichterschein durch die geöffnete Tür nach draußen auf den Gehsteig und in das feine Grau des Nieselregens, der die Stadt einhüllte.

Als sich ein paar Stunden später große und kleine Gäste pappsatt verabschiedeten, waren sich alle einig. Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten, aber über die Qualität der eben genossenen orientalischen Leckereien auf keinen Fall. Und so freuten sich die KöchInnen, Lutz Bornhöft und Filomeno Fusco gleichermaßen über das positive Feedback und den rundum gelungenen Abend – auch wenn ihnen klar war: die Portionen sollten unbedingt kleiner werden – ansonsten wäre es unmöglich, von all den Speisen zu probieren, die man während der kulinarischen Rundreise angeboten bekam. Und das wäre jammerschade, denn jeder wusste jetzt, dass zum Beispiel Mirsa Ghasemi ein verdammt leckeres Auberginenmus ist, von dem man unbedingt gekostet haben musste.